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Land der Moderne

 

Schulzes und die IndustrieKulTour

 

 

Frau Schulze strahlte über das ganze Gesicht. „Schön, dass wir mal wieder alle zusammen frühstücken. Und auch Elfi, die kleine Maus, ist wieder mit dabei!“ “ Elfi richtete sich empört auf: „Ich bin keine kleine Maus! Ich bin schon sechs und kom­me bald in die Schule.“ „Na klar“, wandte Herr Schulze lächelnd ein. „Elfi ist schon ein großes Mädchen. Das sieht man doch, nicht wahr, Oma?“ Frau Schulze schaute ihre Enkelin reumütig an. „Wie konnte ich das nur übersehen. Wo sie doch sogar schon schwimmen kann, ganz ohne Schwimmflügel.“ „Eine ganze Bahn, und die ist ganz schön lang“, bestätigte Elfi stolz.

 

Besuch aus Bochum

Eine Weile war alles ruhig, während Tochter Kathrin reihum Kaffee und Frau Schulze ihrer Enkelin Kakao einschenkten. „Gibt es denn was Neues?“, wollte der Schwiegersohn Bernd dann wissen. Fast hätte sich Herr Schulze an dem heißen Kaffee verbrannt. „Scheiße“, fluchte er. „Opa, solche Worte wollen wir hier aber nicht hören“, klärte ihn Elfi im Ton von Anja, ihrer Kita-Erzieherin, auf. Nun war es an Herrn Schulze, Reue zu zeigen. „Ist mir nur so rausgerutscht, okay? Weil ich beinah etwas Wichtiges vergessen hätte.“ Dabei wedelte er mit einem Papierausdruck in der Luft. „Und was ist das?“, wollte Bernd wissen. „Das ist eine Mail von Meiers aus Bochum, die kennt ihr doch, sind ja schließlich über fünf Ecken mit uns verwandt.“ Kathrin konnte sich erinnern. „Ist ja schon einige Jahre her, aber wir haben sie mal besucht. Richtige Kohlepott-Gewächse, nicht nur der alte Meier,  der noch unter Tage malocht hat, wie man dort sagt.“ Frau Schulze stimmte zu: „Die sind wirklich nett, die ganze Familie – Großeltern, Eltern und zwei Enkel. Aber sagt mal, was machen wir denn da? Die bleiben einige Tage, und da wollen sie doch auch was sehen von unserer Stadt.“

 

Ein Vorschlag

Bernd unterbrach das anschließende Schweigen. „Das passt gut, ich wollte euch sowieso etwas vorschlagen. Wir gehen alle zusammen zur IndustrieKulTour, die Schulzes und die Meiers.“ „Wohin gehen wir?“, wollte Kathrin wissen. Bernd hielt ein Prospekt hoch: „Zur IndustrieKulTour, hier steht alles drin. Ein Projekt des Campus-Vereins und der WBG Wolfen.“ Jetzt wusste Herr Schulze Bescheid, denn davon hatte er schon gelesen. „Ihr wisst doch, dass in diesem Jahr das Bauhaus 100 Jahre alt geworden ist. Große Jubiläumsfeier, mehrere Museumsneubauten usw., großer Bohei, würden Meiers sagen. Aber das Bauhaus war ja ein Teil der Klassischen Moderne, das war eine neue Architektur so etwa in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Und Sachsen-Anhalt war gewissermaßen ihr Kernland. Deshalb präsentiert sich unser Bundesland in diesem Jahr als ‚Land der Moderne’.“ Seine Frau war offensichtlich ein wenig ratlos. „Alles ganz gut und schön. Aber wohin sollen wir denn nun mit unseren Besuchern gehen in diesem ‚Land der Moderne’?“ Bernd tippt auf das vor ihm liegende Prospekt: „Wir haben schließlich in Wolfen interessante In­dus­triedenkmäler aus dieser Zeit. Und das Projekt IndustrieKulTour besteht aus einer Führung durch drei davon. Machen wir mal ein Quiz, welche das sein könnten. Also los …“

 

Klassische Moderne – ein Quiz

Kathrin wagte zaghaft den ersten Versuch: „Vielleicht das Filmmuseum?“ Ihr Vater stimmte ihr zu: „Das würde ich auch auf die Liste setzen. Stammt aus der Zeit, also vom Anfang des vorigen Jahrhunderts, wenngleich seine Bauweise nicht unbedingt charakteristisch für die Klassische Moderne ist. Und es ist richtig spannend, wenn man so hautnah erlebt, wie damals Filme hergestellt wurden, ganze Bereiche im Dunkeln und so. Ich war ja schon mal dort, aber das würde ich gern noch mal sehen.“

  Bernd nickte: „Richtig, das war Nummer 1. Das Quiz geht in die nächste Runde.“ Diesmal wagte Frau Schulze einen Versuch: „Also das markanteste moderne Gebäude in der weiteren Umgebung, das ist doch bestimmt das ehemalige Gebäude 041 der Filmfabrik, jetzt unter anderem Sitz des Rathauses.“ Auch hier konnte Herr Schulze nur zustimmen: „Wenn ich mich nicht irre, wurde es Ende der 30er Jahre gebaut, sowohl für die Forschung als auch für die Verwaltung. Das Gebäude setzt sich geradezu kunstvoll aus vier Baukörpern zusammen. Wie eindrucksvoll das ist, sieht man eigentlich nur aus der Vogelperspektive. Dann gibt es da einen tollen Hörsaal, da waren wir übrigens auch schon mal, nicht wahr, Gisela?“ Frau Schulze nickte, und Bernd erklärte: „Bingo, wieder ein Volltreffer! Aber nun zur dritten und letzten Runde. Aufi geht’s!“

 

Rathaus, Filmmuseum und Kulturhaus

Schweigen am Tisch. Dann machte Kath­rin einen Versuch: „Vielleicht die vor kurzem sanierten Gebäude in der Ernst-Toller-Straße?“ Herr Schulze schüttelte ener­gisch den Kopf: „Nein, das sind doch Plattenbauten, vermutlich aus den 60er Jahren, also viel später gebaut. Die Häuser sehen jetzt mit Balkonen und Laubengang gut aus und es wohnt sich sicher auch gut darin, ist aber keine Klassische Moderne.“ Auch Bernd, gewissermaßen als Schiedsrichter, meinte: „Der Kandidat erhält null Punkte. Es geht zwar bei dem Projekt auch um die Frage, wie die Gebäude heute genutzt werden. Aber sie müssen schon aus der richtigen Periode stammen. Also, wer knackt den Jackpot?“

  Kathrin wagte noch einen Versuch: „Und wie wäre es mit dem Städtischen Kulturhaus am Puschkinplatz? Ist doch sicher ziemlich alt, und modern auf jeden Fall, keine Frage.“ „Na klar“, Herr Schulze schlug sich an die Stirn, „das ist auch so gegen Ende der 30er Jahre von der AGFA erbaut worden. Erst vor kurzem habe ich mich mit Heinz, der sich mit der Geschichte der Filmfabrik beschäftigt, darüber unterhalten. Er sagt, dass es im Krieg schwer beschädigt und Anfang der 50er Jahre wiedererrichtet wurde. Und wisst ihr was? Herr Hilschmann, der am Bau des Gebäudes 041 als Innenarchitekt mitwirkte, hat auch den damaligen Wettbewerb zur Ausgestaltung des Kulturhauses gewonnen; also stammt die Inneneinrichtung nach der Wiedererrich­tung höchstwahrscheinlich von ihm.“

  „Interessantes Detail“, erklärte Bernd. „Jedenfalls ist das Kulturhaus die richtige Lösung. Wie ihr seht, liegen alle drei Objekte nahe beieinander.“ Er schaute auf den Prospekt. „Bei IndustrieKulTour geht es zu Fuß von einer Führung zur anderen. Insgesamt dauert das Ganze so etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Und pro Person kostet es 7,50 Euro. Sieben Personen müssen mindestens zusammenkommen, mit Meiers zusammen sind wir sogar elf. Ich denke, das wird uns allen gefallen. Und für die Kleinen ist das nicht zu lang und bestimmt auch ganz unterhaltsam.“ Da Elfi noch nicht so recht überzeugt schien, ergänzte Frau Schulze listig: „Und anschließend gehen wir ins Campus-Café, und jeder kriegt einen Eisbecher seiner Wahl.“ Jetzt stimmten alle begeistert Bernds Vorschlag zu.